Heidelberger Mordsteine (Originalausgabe)
Covergestaltung: Werner Hartmann
© Kehl Verlag, Osthofen

Der historische Fall (Band 1)
HEIDELBERGER  MORDSTEINE

Inhaltsangabe

Am frühen Morgen des 29. Juli 1922 wird Leonhard Siefert im Hof der Männer-zuchtanstalt Bruchsal auf dem Schafott hingerichtet. Er ist in einem der ersten Indizienprozesse Deutschlands des Doppelmordes schuldig gesprochen worden. Obwohl alles dafür spricht, dass Siefert zwei Bürgermeister aus Habgier umge-bracht hat, beteuert er bis zu seinem Ende seine Unschuld.

Im Jahre 2005 stößt Robert Flaig, beurlaubter Richter am Landgericht Heidelberg, bei der Suche nach einem Thema für seine Dissertation auf den Fall Siefert. Was anfänglich mehr ein Vorwand ist, um vorübergehend dem Trott am Landgericht zu entkommen, nimmt ihn mehr und mehr gefangen. Warum sind die Gerüchte um ein Fehlurteil über Jahrzehnte nicht verstummt? Seine Recherchen fördern nicht nur widersprüchliche Zeugenaussagen von damals ans Licht, sondern scheinen auch gegenwärtig irgendjemanden zu beunruhigen. Als ein Schlägertrupp Flaig die Botschaft überbringt, den Fall Siefert ruhen zu lassen, ist sogar sein Leben in Gefahr. Und plötzlich ermittelt Flaig auch in ureigener Sache …

Der Autor Thomas Schnepf ist Amtsrichter und lässt in dem Roman »Heidelberger Mordsteine« glänzend recherchiert einen Aufsehen erregenden historischen Fall lebendig werden.

Die 3. Auflage erscheint voraussichtlich am 30.11.2021!

Ab sofort gibt es zu dieser Buchreihe eine eigene Website: https://der-historische-fall.de

Nachfolgend eine Rezension des Buches:

Richter Flaig und die Heidelberger Mordsteine

Im Jahre 1921 wurde der Bahnarbeiter Leonhard Siefert in einem der ersten Indizienprozesse der deutschen Justizgeschichte anhand von Fingerabdrücken, Blutuntersuchungen und Spuren von Pflanzenresten des Tatortes wegen Mordes an zwei Bürgermeistern verurteilt und mit dem Fallbeil in Bruchsal hingerichtet. Der Prozess hat Justizgeschichte geschrieben und auch in juristischen Fachzeit-schriften und Lehrbüchern Aufmerksamkeit erfahren. Noch heute erinnern im Wald nahe Neckargemünd an der Kreuzung des Pfalzgrafensteinweges mit dem Linsenteich-Auweg die Bürgermeistermordsteine an dieses Verbrechen.

Autor Thomas Schnepf, im Hauptberuf Richter für Schifffahrt und Insolvenz am Mannheimer Amtsgericht, greift den Fall in seinem Roman »Heidelberger Mordsteine« auf und verbindet ihn mit einer fiktiven Rahmenhandlung.

Robert Flaig, Richter am Landgericht Heidelberg, lässt sich beurlauben, um über diesen brutalen Doppelmord eine Dissertation zu schreiben. Bei seinen Nachforschungen stößt er auf Ungereimtheiten und bis heute noch kursierende Gerüchte: Siefert sei nicht der Mörder, er sei aus politischen Gründen wegen seiner Sympathie für den Spartakusbund verurteilt worden; beziehungsweise der Sohn eines der Mordopfers habe die beiden Bürgermeister getötet, wie 1952 in der Frankfurter Zeitung von Prof. Dr. Jur. Heilbrunn behauptet wurde.

Schnepf ist ein in vielerlei Hinsicht bemerkenswertes Romandebut gelungen. Es beruht einmal auf der akribischen Rekonstruktion des historischen Falles, das Ergebnis einer siebenjährigen Recherche in diversen Archiven. Davon zeugt auch ein im Kriminalroman eher selten anzutreffendes Quellen- und Abbildungsver-zeichnis. Schon allein der historische Teil des Buches ist eine Empfehlung wert. Zum anderen reflektiert er in der Person von Robert Flaig den Juristenalltag in Lehre, Forschung und bei Gericht sowie den Umgang des Berufsstandes untereinander, teils drastisch, humorvoll und immer mit einer gehörigen Portion Selbstironie. Flaig promoviert keineswegs aus akademischem Ehrgeiz, sondern weil sich ihm dadurch die Möglichkeit bietet, sich eine Auszeit vom Berufsalltag ohne Karriereknick zu gönnen. Der Anfangsvierziger ist zwar der Wohngemeinschafts-zeit entwachsen, scheint aber dennoch nicht richtig im Erwachsenendasein angekommen zu sein, vor allem was sein Verhältnis zu Frauen betrifft. Das wird für ihn fast zu einem tödlichen Verhängnis.

Der Handlungsverlauf im historischen Teil wird durch Aktenlage bestimmt. Auch im fiktiven Teil helfen kombinatorische Winkelzüge nicht weiter. Es herrscht das Gesetz der Logik. Einer Logik, die sich dem Leser, ebenso wie dem Protagonisten, erst am Ende erschließt. Freunde des Regionalkrimis werden an den Passagen des Buches ihre helle Freude haben, die lustvoll das nicht ungetrübte Verhältnis zwischen Justiz und Architektur im Mannheim der späten sechziger Jahre aufs Korn nehmen.

© Szyllas Lesezeichen, Werner Traschütz, 2006